Die Brühlhalle war für zwei Konzertveranstaltungen in einen geräumigen Jazzclub verwandelt worden, gemütliche Sitzecken und Stehtische, nebst zwei Bars sorgten für das richtige Ambiente, für den Service sorgte das Hotel-Gasthaus zum Bock (Reichenbach) und die Initiatoren des Festivals freuten sich über einen sehr guten Besuch - weit mehr als man zu hoffen gewagt hatte. Einer gelungenen Premiere müssten also im nächsten Jahr weitere Aufführungen folgen!
„Jazzprofessor" Martin Schrack, der die musikalische Leitung hatte, und das Logistikunternehmen Schmalz+Schön - ohne Sponsoren geht im Jazz gar nichts! - unter dem Geschäftsführer Dietmar Penkwitt, der selbst ein ausgemachter Jazzfan ist und mit Erfolg als Pianist in die Tasten greift, setzten auf die richtigen Karten.
Man strebte ein überschaubares Programm an und verpflichtete einige Stars der aktuellen Jazzszene und solche, die schon seit Jahren eine gewichtige Rolle spielen.
Den Anfang machte am Samstag das Trio von Franco Petrocca. Der Mann aus Calabrien, der schon seit 1979 in Deutschland lebt, kam eigentlich folgerichtig zum Jazz, denn drei seiner Brüder sind musikalisch aktiv.
Im Mittelpunkt des ersten Festivalkonzerts standen sodann die Musiker um den legendären Schlagzeuger Pete York. Mit den Solistengrößen Martin Schrack (Piano), dem Saxofonisten und Klarinettisten Stephan Holstein und dem Bassisten Mini Schulz musizierte ein Streichquartett und es sang die umwerfende Sandy Patton.
York, der in den 60er Jahren im deutschen Fernsehen die Serie „Superdrumming" gestaltete und damit bekannt wurde, ist ein richtiges Multitalent. Er ist einer der besten Swingschlagzeuger unserer Tage, ein sehr guter Sänger und er ist der geborene Entertainer: schlagfertig, gewitzt im Erzählen von Stories, gesegnet mit einem trockenen Humor, halt „very british". Interpretiert wurden in diesem Programmteil Melodien der beiden wegweisenden Komponisten George Gershwin und Duke Ellington. Die faszinierenden Arrangements von Martin Schrack, zum Besten gehören was es unter der „Schrack-Music" zu hören gibt, wurden zu Recht mit anhaltendem Beifall bedacht. Wo hat man eine Streichergruppe, die so vehement swingt als hätte sie nie etwas anderes gespielt? Sandy Patton, die versierte Sängerin, die in Bern an der Uni Gesang lehrt, ist die gute Laune in Person. Sie zählt auf einen immensen Stimmumfang, der sie befähigt, von den höchsten Jubeltönen des Scatgesangs in den tiefsten heiseren Armstrong-Parodieton überzugehen.
Den unüberhörbaren Schlusspunkt eines rundum gelungenen Festivals setzte am Sonntagmorgen die Lumberjack Big Band unter Alexander Eissele mit der überragenden Sängerin Annette Frank. Schrack agierte in der Band bei jenen Arrangements, die er extra fürs Festival mitgebracht hatte, als ein Pianist, von dem man schon immer wusste, dass er in allen Sätteln gerecht wird. Die Lumberjacker spielten in Hochform. Mit dem komplexen Arrangement des Ohrwurms „St. Thomas" (Bill Holman) und dem Kansas City-Hit „Moten Swing" trafen sie schon zum Auftakt den Nerv der Zuhörer. |