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25.05.2010 | Fellbacher Zeitung << Übersicht
Eine Bigband voller Stars braucht keinen Gaststar
 
Von "Fellbach und Rems-Murr-Kreis", aktualisiert am 25.05.2010
 

Fellbach. Vor restlos ausverkauftem Haus spielte das "Jazz Factory Orchestra" am Freitagabend in der Jazzfabrik. Von Arne Brien

Als die "hauseigene" Bigband im vergangenen September die internationale Jazzgröße Sandy Patton einlud, waren alle Augen und Ohren auf die fantastische Sängerin aus Bern gerichtet. Dass sich das "Jazz Factory Orchestra" aber keineswegs hinter einem Gaststar verstecken muss, hat das Konzert am Freitagabend gezeigt. Wieder einmal hatte sich eine Besetzung zusammengefunden, die sich wie das "Who is who" der deutschen Jazzszene liest. Man könnte sagen: Eine Bigband voller Stars braucht keinen Gaststar. Beispielsweise der Trompeter Frederik Köster. Der junge Kölner hat gerade einen Jazz-Echo verliehen bekommen. Mit viel Selbstbewusstsein spielte er ein herausragendes Flügelhorn-Solo bei Bert Joris" "Walkin Tiptoe", das nicht nur die Zuhörer, sondern auch seine Mitmusiker sichtlich beeindruckte und mitriss.

Fantastisch auch die junge Stuttgarter Rhythmusgruppe mit Axel Kühn am Kontrabass und Marcel Gustke am Schlagzeug. Dass die beiden so prächtig miteinander harmonieren, ist kein Wunder. Schließlich spielen sie sich seit Jahren mit ihrer Formationen "Kühntett" kontinuierlich an die Spitze der deutschen Jazzszene. Vorläufiger Höhepunkt war die Verleihung des Landesjazzpreises Baden-Württemberg für Axel Kühn im vergangenen Jahr.

Der größte Star des Abends war jedoch die Band als Kollektiv selbst. Es ist schon bemerkenswert, wie sich immer wieder aufs neue eine solch hochkarätige Besetzung zusammenfindet. Die vielen Musiker wohnen mittlerweile in ganz Deutschland verteilt, haben ihre Wurzeln aber teilweise auch im Stuttgarter Raum. So zeigt sich vielleicht auch ein kleines Stück Heimatverbundenheit darin, dass sie immer wieder den Weg in die "Jazz-Kleinstadt" Fellbach finden. Sicherlich gehört aber eine gehörige Portion Idealismus dazu, und der Drang, dabei zu sein, denn eine projektbezogen arbeitende Bigband dieser Qualität ist die absolute Ausnahme. Das Publikum war hingerissen und erklatschte zwei Zugaben von dem phonstarken Orchester.

 
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